Kanal und Bretagne

Der Kanal, als Kurzform für das Revier im Ärmelkanal, ist im Süden durch die Bretagne, eine westfranzösische Region, und im Norden durch die englische Küste begrenzt. Der Kanal gehört ozeanographisch zum Atlantik und verbindet ihn über die Strasse von Dover mit der Nordsee.

An der engsten Stelle ist die Distanz zwischen Frankreich und England nur gerade circa 35 Kilometer. Zu dem Revier gehören auch die britischen Inseln Guernsey, Jersey (auch als Kanalinseln bekannt) und die Isle of Wight im Solent. Der Ärmelkanal trennt die Landmasse Europa (Kontinent) von Grossbritannien.

 

Die Region Bretagne grenzt in Frankreich selber im Norden an die

Normandie und im Süden und Osten an die Region Pays de la Loire. Sie liegt im äussersten Westen von Frankreich und stellt eine Halbinsel dar, welche im Norden durch den Ärmelkanal und im Süden von Biskaya umgeben ist.

 

Die Region weist 2700 Kilometer Küstenlinie auf und ist von über 800 Inseln unterschiedlicher Grösse umgeben. Diese Tatsache wider- spiegelt sich im gallischen Namen der Region Aremorica, was so viel wie Land am Meer bedeutet. Zusätzlich weist die Bretagne mit dem Golf von Morbihan ein atlantisches Binnenmeer auf, welches selbst auch 42 Inseln aufweisen kann.

 

Die heutige politische Verwaltung der Region Bretagne umfasst vier Départements, welche sich Côtes-d’Armor, Finistère, Ille-et-Villaine und

Morbihan nennen, wobei Rennes als Hauptstadt der Region angesehen wird. Das Département Loire-Atlantique, welches zur historischen Bretagne gehörte, wurde während dem 2. Weltkrieg mit seiner Hauptstadt Nantes abgespalten.

 

Wirtschaftlich ist die Bretagne eine der schwächsten Regionen von Frankreich. Dies führte unter Anderem immer wieder zu Unabhängig-keitsbestrebungen der Bretagne, die sich vernachlässigt fühlt gegenüber den restlichen Regionen. So wird das Landschaftsbild vom Acker-bau und Grünland beherrscht. Im Sommer stellt aber auch der Tourismus eine grosse Einnahmequelle dar. So sind neben den wunderbaren Küstenstreifen, den vielen Inseln, den interessanten Städten auch die historischen Megalithmonumente (über 6000 Megalithen und über 1000 Dolmen sind bekannt) und die Hinterlassenschaften des 2. Weltkrieges höchst interessant. Hervorheben möchten wir den Mont Saint

Michel in der Bucht von Saint-Malo und die Alabasterküste. Abschliessend gilt noch die Fischerei und die Zucht von Austern als Ein-nahmequellen der Region.

 

Der englische Teil des Reviers wird gebildet durch die Kanalinseln, den Solent mit der Isle of Wight und die restliche südenglische Küste, welche teilweise unter dem Namen Jurassic Coast als geschützte Landschaft bekannt ist. Neben den französischen Hafenstädte Le Havre, Calais und Cherbourg-en-Cotentin sind die englischen Pendants wie Southampton, Dover und Plymouth mit Bedeutung zu nennen.

Am westlichen Eingang des Ärmelkanals liegen die Scilly-Inseln in der Keltischen See, welche ihrerseits ein Teil des Nordatlantiks ist. Sie zählen zu der Grafschaft Cornwall und somit zur Region South West England. Sie bestehen aus über 140 Inseln und über 90 Riffen, wobei nur 6 Inseln davon bewohnt sind und liegen im Südwesten von England, circa 45 Kilometer entfernt vor dessen Küste. Scilly, eine Wortkreation aus Sunny Islands, wurde 1975 zum Area of Outstanding Natural Beauty erhoben und unter besonderen Schutz gestellt. Dies begründet sich vor allem auf vorhandene Robben- und Vogelkolonien auf den unbewohnten Inseln. Diese Tatsache und die über 800 Wracks, welche in zugänglicher Distanz und Tiefe für Sporttaucher liegen, machen die Scilly-Inseln einzigartig und für einen Besuch lohnenswert.

 

Weiter östlich gelegen ist die Isle of Wight, welche durch den Solent getrennt, gegenüber von Southampton auf dem britischen Festland, liegt. Der Verwaltungssitz der eigenständigen Insel ist Newport, welche zur Region South East England zählt. Geologisch zählen die Insel zur südenglischen Kreideformation und die daraus entstandenen Kreidehügel sind auf der ganzen Insel verstreut und prägen dessen Landschaft auf eine eindrückliche Art und Weise. Bezüglich der Seefahrt ist hervorzuheben, dass in Niton sich eine der drei britischen NAVTEX-See-funkstellen installiert hat. Zudem finden hier weltberühmte Segelregatten (oder zumindest der Start davon) jährlich statt. Dazu zählen die Cowes Week, der Admiral’s Cup und der Rolex Commodores' Cup. Diese Veranstaltung locken neben anderen Attraktionen natürlich sehr viele Touristen an, und stellen somit eine wichtige Einnahmequelle der Insel dar.

 

Bevor die vor Frankreich liegenden Kanalinseln Guernsey und Jersey beschrieben werden, möchten wir die britische Festlandküste nicht

unterschlagen. Die Küstenlinie, aber auch die Städte und Landschaften sind einzigartig und ein detaillierte Beschreibung würde den Rahmen dieser Zusammenfassung deutlich sprengen. Wir möchten aber auf einen Teil der Küste im Speziellen hinweisen, nämlich den Solent. Der Solent ist ein Seitenarm der Ärmelkanals, und beherbergt die Isle of Wight. Der Solent gilt als das beste Segelrevier von Grossbritannien und ist, vor allem im Sommer, ein Touristenmagnet für allerlei Aktivitäten.

 

Die Kanalinseln Guernsey und Jersey sind die am entferntesten liegenden Inseln von Grossbritannien und liegen jeweils nur wenige Kilometer vor der französischen Bretagne-Küste. Beide Inselgruppen sind Kronbesitz, sind also direkt der Krone unterstellt und somit nicht Mitglied der Europäischen Union. Dieser Umstand ist die Basis für den wirtschaftlichen Motor beider Inselgruppen, nämlich die Tätigkeit auf dem Finanzmarkt, was aber im Gegenzug auch beide auf die schwarze Liste der weltweiten Steueroasen gebracht hat. Als zweite wichtige Einnahmequelle ist der Tourismus aufzuzählen. Die Landwirtschaft, welche zwar die Landschaft prägt, spielt nur noch eine untergeordnete Rolle als Wirtschaftszweig.

 

Das Bailiwick of Guernsey besticht mit seinem Hügelland und seinen Steilküsten. Zu der Inselgruppe zählen mehrere bewohnte Inseln, wie

beispielsweise Guernsey, Alderney, Sark und Herm, sowie einige unbewohnte Inseln und Klippen (zum Beispiel die Casquets). Hauptstadt der Inselgruppe ist St. Peter Port auf der Hauptinsel Guernsey.

 

Das Bailiwick of Jersey mit der Hauptstadt Saint Hellier ist ebenfalls eine Inselgruppe und weist mit der Hauptinsel Jersey die grösste und

bevölkerungsreichste Insel der gesamten Kanalinseln auf. Zudem ist Jersey die sonnenreichste Insel Grossbritanniens, welche auch über ausgedehnte Strände verfügt. Zu der Inselgruppe gehören auch unbewohnte Inseln und Klippen, wie beispielsweise Minquiers oder Les Dirouilles. Als grösste und einzige Kanalinsel besitzt Jersey eine Ministrialregierung, welche die politische Verwaltung der Inselgruppe regelt.

Neben der Finanzbranche ist der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle. Die wunderbare Landschaft, mit ihren Orten und Städten ist eine Reise wert. Zudem gibt es auch historische Megalithmonumente und einige Menhire zu bewundern. Ebenfalls hervorzuheben ist der Durrell Wildlife Conservation Trust und den dazugehörenden Park, welcher sich mit der Nachtzucht vom Aussterben bedrohter Tierarten beschäftigt. Nicht zu vergessen ist, das Jersey einer der besten Surfspots Europas ist. Die Landwirtschaft, welche wie auf Guernsey, nur

das Landschaftsbild prägt, spielt eine untergeordnete Rolle.

 

Zum Revier allgemein lässt sich sagen, dass es ständiger Veränderung unterliegt, welche auf die Strömung im Ärmelkanal zurückzuführen ist. So trägt die Wassererosion, im Verbund mit der Winderosion, dazu bei, dass sich der Ärmelkanal noch heute langsam verbreitert.

Das Klima in dem Revier ist ein mildes, maritimes Klima, welches unter starkem Einfluss des Golfstromes steht. Die beiden Kanalinseln Jersey und Guernsey weisen mit dem zusätzlichen Schutz von der Bucht von Saint-Malo beinahe schon ein mediterranes Klima auf, was sich unter anderem auch an der Vegetation deutlich widerspiegelt. So sind im Winter die Temperaturen sehr selten unter 5° Celsius, jedoch im Sommer auch in der Regel nicht viel über 20° Celsius. Ansonsten sind die für diese Region raschen Wechsel von Tiefdruck- zu Hoch-druckgebieten typisch, welche über den Atlantik hereinziehen in den Ärmelkanal. Dies führt dann nicht selten zu Regenschauern und starken Winden aus Westen, wiederum typisch für diese Breiten, welche bekannt sind als Westwindzone. Dies kann unter Umständen zu heftigem Wellengang führen.

 

Zudem gehört der Kanal mit seinen morphologischen und geologischen Besonderheiten zu den Revieren mit den ausgeprägtesten Gezeiten-unterschieden. So sind bereits Tidenhübe von über 12 Metern gemessen worden. Das heisst natürlich auch, dass bei Ebbe grosse Flächen trocken fallen.

 

Zu guter Letzt sei hier auch noch erwähnt, dass in dem Revier ein erheblicher Schiffsverkehr herrscht, welcher zwar mit Verkehrstrennungs-gebieten geregelt ist, aber trotzdem Deine dauernde Aufmerksamkeit erfordert.

 

Die klimatischen und hydrographischen Bedingungen in Verbindung mit den Tiden und dem hohen Verkehrsaufkommen machen dieses Revier sehr anspruchsvoll. Du solltest also eine Erfahrung für dieses Revier mitbringen, damit Dein Törn wirklich zum Vergnügen wird. Zudem musst Du Dir bewusst sein, dass nicht der normale Tag/Nachtrhythmus den Törn bestimmt, sondern die Tiden und deren Rhythmus, was mitunter sehr anstrengend werden kann.

 

Abschliessend sei bemerkt, dass die Durchquerung des Ärmelkanals immer wieder im Fokus verschiedener Rekordhalter und Projekten stand. Als wichtigste Errungenschaft dürfte wohl der Eurotunnel anzusehen sein, welcher Grossbritannien mit dem europäischen Festland verbindet.


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